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Home Staging – Sinnvolles Vermarktungsinstrument oder Blendwerk?

Der Begriff „Home Staging“, vor einigen Jahren nur Eingeweihten bekannt, hat mittlerweile auch hierzulande einen gewissen Bekanntheitsgrad erlangt. In den 70er Jahren in den USA, wo auch sonst, entstanden, suchen heute in Deutschland bereits über 200 Home-Staging-Agenturen im Internet nach potenziellen Kunden. Und natürlich existiert bereits ein Berufsverband mit dem schönen Namen „Deutsche Gesellschaft für Home Staging und Redesign e.V“. Diese Organisation bietet natürlich auch Seminare an, Teilnahmevoraussetzung auf ihrer Homepage: „Interesse am Thema!“. Jenes Interesse und keine weiteren Vorkenntnisse vorausgesetzt, durchläuft der Teilnehmer zwei Seminare und einige Praxistage, lässt zwei eigene Projekte von einem internen Verbandsgremium bewerten und darf sich – die Gebühren belaufen sich auf bescheidene 2.000 € – fortan „DGHR Advanced Professional“ nennen.
Was aber macht nun ein „DGHR Advanced Professional“? „Staging“ hat in der englischen Sprache mehrere Bedeutungen, zwei davon sind für das Aufgabengebiet des Home-Stagers relevant. Zum einen bezeichnet es eine Inszenierung, zum anderen kann es auch „Materialbeschaffung“ bedeuten. Beide Bedeutungsebenen verknüpft, ergibt eine eingängige Definition des Begriffs Home-Staging: Ein Haus/eine Wohnung werden mittels Einsatz diverser Materialien inszeniert, um einen höheren Verkaufspreis bzw. einen kürzeren Leerstand zu erzielen.
Um dieses Ziel zu erreichen, bieten die meisten Agenturen ihre Dienstleistungen im Paket an, wobei das häufig angebotene „Basis-Paket“ in seiner Schlichtheit nicht unbedingt beeindruckt, verspricht es doch nur bei einer Wohnungsentrümpelung beizustehen, sie zu beaufsichtigen oder aber auch selbst mit anzupacken (die Preise betragen hierfür zwischen 200 und 250 €.) Die nächsten Pakete kommen anspruchsvoller und deutlich teurer daher. Da werden dann Böden verlegt, Wände gestrichen, entpersonalisiert und redisigned und, – hier handelt es sich um die Königsdisziplin des Home-Stagers, – Häuser und Wohnungen völlig neu möbliert und dekoriert. Eine solche Maßnahme kann dann auch mal leicht ein Honorar in Höhe von bis zu 3 % des erzielten Verkaufspreises nach sich ziehen, was verschmerzbar sein sollte, wenn der erzielte Verkaufspreis mittels ausgeklügelter Maßnahmen des Home-Stagings 10 bis 15 % über dem Einstiegspreis liegt, wie uns amerikanische Quellen glauben machen wollen.
Fassen wir die Pros und Contras dieses Trends zusammen:
Beim Verkauf eines Hauses geht es in erster Linie um Tatsachen, die keinerlei Camouflage vergessen machen kann. Die bescheidene Lage eines Hauses ist schwerlich zu kaschieren wenn es zehn Meter vor einer ICE-Trasse oder neben der Böschung der A1 liegt. Für die Lage gibt es jedoch einen allgemein akzeptierten Parameter, der sich „Bodenrichtwert“ nennt. Dieser wird von den Gutachterausschüssen der Städte und Kreise in unterschiedlichen Zeitabständen aktualisiert und bildet so ein Kriterium für den Wert einer Immobilie.
Ein weiteres Kriterium ist der Erhaltungszustand eines Hauses. Ein marodes Dach, eine alte Heizungsanlage oder ein feuchter Keller ist von einem Sachverständigen oder erfahrenem Makler objektiv bewertbar.
In manchen Fällen kann Home Staging durchaus ein wirksames Instrument zur schnelleren Vermarktung einer Immobilie sein und es sind nicht nur Lehrgangsteilnehmer ohne Vorkenntnisse sondern auch ausgebildete Innenarchitekten, die eine solche Dienstleistung anbieten. So ist fast immer sinnvoll, eine Immobilie zu „entstauben“ (im Homestaging-Deutsch: zu entpersonalisieren). Dabei wird die Einrichtung samt aller persönlichen Gegenstände des ehemaligen Bewohners entfernt, um eine neutrale Aura der Immobilie herzustellen. Ein dreißig Jahre alter Teppichboden muss entsorgt werden und auch ein Streichen der Wände kann

eine deutlich freundlichere Atmosphäre schaffen. Ob es dann noch einer kompletten zeitgemäßen Neu-Möblierung bedarf, muss vor Ort entschieden wäre. Home Staging kann durchaus sinnvoll sein, um den ersten, entscheidenden Eindruck eines potenziellen Käufers positiv zu beeinflussen. Nur sollte sich jeder Verkäufer davor hüten, dieses Instrument zur Kaschierung von Mängeln einzusetzen. Dieser Schuss geht garantiert nach hinten los.